AUFGABENSTELLUNG: RISIKEN MINIMIEREN


Die vergangenen Jahre haben bewiesen, dass die Börsen keine Einbahnstraße sind. Aber auch die bislang stets als sicher geltenden Staats- und Unternehmensanleihen haben in jüngerer Zeit ihre Verwundbarkeit gezeigt. Abgesehen von den Wirren in Folge der Lehman-Pleite und der aktuellen Staatsschuldenkrise dürfte es in absehbarer Zeit eine Phase tendenziell eher steigender Zinsen geben. Dies wirkt sich – mit längerer Restlaufzeit zunehmend – negativ auf die Anleihenkurse aus. Und letztendlich haben auch die offenen Immobilienfonds, die mehr als 40 Jahre stets positive Jahresrenditen verbuchten, eine extrem schwierige Phase, in der gerade eine Reihe von Fonds mit Verlusten für die Anleger zwangsaufgelöst werden, zu bewältigen.

Der Wunsch nach einem schwankungsarmen Depot ist mit den skizzierten Entwicklungen für Anleger deutlich schwieriger erfüllbar geworden. Es kommt darauf an, eine Struktur zu finden, die möglichen zukünftigen Herausforderungen gerecht werden kann.


Chancen & Risiken

„Investment-Strategie“ funktioniert nur mit langfristiger Perspektive …

Chance und Risiko einer Anlage stehen stets in unmittelbarem Zusammenhang. So ist ein höherer Ertrag einer x-beliebigen Kapitalanlage genau genommen nichts anderes als eine Art Risikoprämie für die in Kauf genommenen Risiken. Dabei muss mit Risiko keineswegs ein absolutes Verlustrisiko gemeint sein. Von mangelhafter Verfügbarkeit bis hin zu Schwankungsrisiken gibt es eine Reihe von Einschränkungen, die bei einer Kapitalanlage hinterfragt werden müssen, um zu prüfen, ob denkbare Ergebnisse im Einklang mit den in Kauf zu nehmenden Risiken stehen. Aber nicht immer führen höhere Ertragschancen bei höheren Risiken auch tatsächlich zu besseren Ergebnissen. Dies soll an einem einfachen – zugegebenermaßen besonders plakativen – Beispiel verdeutlicht werden:

Obwohl die Strategie A in 8 von 10 Jahren ein um mindestens 40% besseres Ergebnis erwirtschaftet hat, ist die auf den ersten Blick eher langweilig anmutende Strategie B per Saldo deutlich erfolgreicher. Es kommt also sehr wesentlich darauf an, eine Anlage zu finden, bei der verschiedene „Bausteine“ so miteinander kombiniert werden, dass insgesamt eine möglichst gleichmäßige Entwicklung erwartet werden kann, auch wenn diese wahrscheinlich streckenweise der Dynamik des der heftigen Korrektur meist vorangehenden Aufschwungs deutlich unterlegen zu sein scheint. Wer ein Ertragsziel von bspw. 8% pro Jahr anpeilt und im ersten Jahr gleich mal 20% verliert, der müsste im zweiten Jahr sage und schreibe ein Plus von 45,80% erzielen, um wieder (mit einem Depotwert von 116,64%) auf Kurs zu sein.

… doch leider meist an der Zielsetzung vorbei

Ist also nun bspw. eine 8%-ige Ertragsentwicklung über einen längeren Zeitraum angestrebt, so wird es natürlich nicht zu der gleichmäßigen Entwicklung gemäß Strategie B (siehe Tabelle auf der vorigen Seite) kommen. Gewisse Schwankungen der Wertentwicklung stellen – insbesondere bei Betrachtung kürzerer Zeiträume – ein Risiko dar, für welches der langfristig höhere Ertrag, der angestrebt wird, die Prämie ist. Kommt es also zu einer geradezu idealtypischen Entwicklung, wie sie schematisch in der Grafik unten dargestellt ist, so stellt man fest, dass die angestrebte Entwicklung sich nur ganz selten in der Realität wiederfindet (rote Kreise in der Grafik), obwohl man eigentlich grundsätzlich auf dem richtigen Kurs ist. Es kommt also darauf an, möglichst eine beträchtliche Zahl unterschiedlicher Fondskonzepte zu einer Depotstruktur zusammenzufassen, bei der sich verschiedene solcher in der Grafik dargestellten Entwicklungen überlappen, was die Konstanz der Entwicklung dann begünstigt. 

Dabei fällt es Anlegern oft schwer, die Fonds, die sich bei guter Börsenstimmung vermeintlich schlecht entwickeln, zu akzeptieren. Viel wichtiger als kurzfristige Erfolge, die für das Langfristergebnis völlig irrelevant sind, scheint also die Frage, was bestimmte Bausteine des Depots langfristig Positives bewirken können. Mancher Fonds erbringt eine gewisse Zeit lang in Relation zum Markt beste (jedoch vom Anleger so nicht eingeschätzte) Ergebnisse. Erst in Phasen einer Korrektur wird durch den nunmehrigen Anstieg eine konsistente Depotentwicklung begünstigt. In diesem Sinne sollen die nachfolgenden Ausführungen durchaus auch verstanden werden.