Die Gratwanderung zwischen Chance und Risiko

Jede Zeit hat ihre Favoriten und von viele Megaseller von gestern sind heute bei Anlegern und Beratern längst in Ungnade gefallen. Erinnern wir uns nur an die totale BRIC-Euphorie, von der nichts als Katzenjammer übrig geblieben ist. Kürzlich wurde eine Untersuchung veröffentlicht, derzufolge alle in Deutschland zugelassenen BRIC-Fonds insgesamt seit ihrerer jeweiligen Auflegung im Schnitt ein leicht negatives Ergebnis erzielt haben.

Das ist natürlich - wie so oft - nur die halbe Wahrheit, denn die immensen Wertzuwächse zu Beginn der BRIC-Ära wurden natürlich mal wieder nur mit kleinen Fondsbeständen erwirtschaftet, während die Masse der Kundengelder selbstverständlich erst mit zunehmendem Erfolg und entsprechendem Medienecho in die BRIC-Fonds floss, so dass die tatsächlichen Anlegerverluste immens sein dürften.

Ob Technologie- und Neue Markt-Fonds um die Jahrtausendwende oder Minenfonds vor einigen Jahren - immer wieder schaffen es Anleger, ihrer eigenen Gier zum Opfer zu fallen. So erreichte das Aktienfondsvermögen gem. BVI-Statistik im Jahr 2007 seinen bisherigen Höchststand, der bis heute nicht wieder erklommen werden konnte, obwohl der MSCI World (in Euro) im Vergleich zu Ende 2007 um nahezu 25% höher notiert.

Nachdem der Next-11-Trend sich nicht so recht etablieren konnte (teilweise waren die Märkte schwer zugänglich und/oder noch zu klein), fließen nun die Anlegergelder heftig in so genannte SMIT-Fonds und - Zertifikate. Die Commerzbank wirbt aufwendig mit dem Slogan "Nach BRIC kommt SMIT" - jawohl, genauso sehen wir das auch, denn bis es auch der letzte Anleger verstanden hat, dass man nun statt in Brasilien, Russland, Indien und China in Südkorea, Mexiko, Indonesien und der Türkei investieren sollte, ist die Party natürlich einmal mehr gelaufen und nach dem ordentlichen Kater "am Morgen danach" stellen Anleger fest, dass die Commerzbank in letzter Konsequenz tatsächlich sogar Recht gehabt hat. In der Tat könnte die Entwicklung bspw. ganz schnell ein jähes Ende finden, wenn der offensichtlich von Vernunft verschonte Diktator-Darsteller in Nordkorea tatsächlich Südkorea atomar behelligt. Wenn er gute Berater hat, wird er dies bei einer stabilen Wetterlage (Nordwind) tun, um die Folgen fürs eigene Volk gering zu halten. Dann wären neben Japan und den Phillipinen mit Südkorea und Indonesien gleich zwei der vier SMIT-Länder betroffen und so hätte dann auch Jim O´Neill noch Recht, der diese vier Länder zunächst mit dem Kürzel "MIST" (statt "SMIT") bedachte.

Auch andere Fonds, die derzeit mit immensen Mittelzuflüssen bedacht werden, könnten ganz schnell in Mitleidenschaft gezogen werden. So hat bspw. der "Aberdeen Global - Asian Smaller Companies" jüngst ein Volumen von 4 Milliarden US Dollar überschritten. Aber es gibt auch Megaseller, bei denen aus ganz anderen Gründen Risiken lauern. Zu Fonds wie dem "Templeton Global Bond" oder dem "Templeton Global Total Return" haben wir uns bereits oft genug geäußert. Wer in solche Megaseller zu spät einsteigt, dem bleibt neben dem unerfüllbaren Traum von der Wiederholung der früheren Chancen oft nicht viel mehr als das (aktuell nicht offensichtliche) Risiko. Die Trennung mit Verlust ist insgeheim einmal mehr schon wieder vorprogrammiert.