Alles eine Frage des Betrachtungszeitraumes

Wir nähern uns dem Ende des Jahres 2012. Keine Bange, wir wollen Ihnen keine Marktprognosen geben. Aber eine Prognose können wir Ihnen geben: Deutsche Aktienfonds werden wieder gefragter sein. Nicht etwa deshalb, weil wir glauben, dass deutsche Aktien weiterhin eine gute Performance abliefern sondern einfach deshalb, weil auch in der Performancegrafik die Zeit letztendlich alle Wunden heilt.

Aktuell liegt der DAX nämlich über 10 Jahre mit mehr als 100% im Plus, nachdem er vor einem Jahr über 10 Jahre noch im Minus rangierte. Es gehört wenig Phantasie dazu, zu prognostizieren, dass der DAX bereits im März nächsten Jahres mit mehr als 200% im Plus liegt. Dazu könnte der DAX bis März 2013 sogar noch um rund 8,5% auf 6,570 Punkte absacken. Denn im März nächsten Jahres ist der dramatischeste Rückgang des DAX (mehr als 70% Minus in der Zeit von Januar 2000 bis März 2003) aus der 10-Jahres-Grafik des DAX verschwunden. Aktienfonds, die vor Kurzem noch über 10 Jahre im Minus lagen, sehen dann auf einmal über 10 Jahre wieder bestens aus. Mancher Bank-Berater wird versucht sein, Anlegern die Inkaufnahme von Schwankungen mit dem Hinweis "Eine Verdreifachung in 10 Jahren ist ja schließlich auch nicht schlecht!" schön zu reden. Ob Anleger dann wirklich realisieren, dass sie ggfs. Fonds kaufen, deren letzter Höchststand im Jahr 2000 zu Buche steht?

Vielfach wird dem sicherlich entgegen gehalten werden, dass es doch schließlich egal sei, wie ein Fonds vor mehr als 10 Jahren abgeschnitten habe. Schließlich gehe es doch um die künftige Entwicklung. Genau! Eben deshalb halten wir es für wichtig, aus der Entwicklung der Vergangenheit Rückschlüsse zu ziehen, auch wenn diese BaFin-seits strikt untersagt scheinen. Doch dies scheint uns auch eine Frage der Interpretation zu sein. Aus einer Verdreifachung in 10 Jahren kann nicht hergeleitet werden, dass es die nächsten 10 Jahre erneut zu einer Verdreifachung kommt - einverstanden. Dies gilt umso mehr, wenn es "benachbarte" 10-Jahres-Zeiträume mit deutlich schlechterem oder gar negativem Ergebnis gibt. Doch von einem Fonds, der mit gleichem Konzept wie vor 10 oder 15 Jahren eine durchgängige Entwicklung auf Augenhöhe mit (oder gar unter) dem für ihn zulässigen Vergleichsindex vorlegt, sollte man für die Zukunft keine Wunder erwarten dürfen. Umgekehrt darf von einem Fonds, der - wie der in der unten stehenden Grafik gezeigte - nunmehr im 17. Jahr in Folge den Weltaktienindex insbesondere in Verlustphasen outperformt, auch zukünftig Gutes erwartet werden. Dabei handelt es sich in diesem Fall noch nicht einmal um einen vermögensverwaltenden Fonds, was sich allerdings auch in einem Maximum Drawdown von knapp 33% widerspiegelt (wobei es allenfalls eine Handvoll globaler Aktienfonds mit einem derart geringen Drawdown gibt). 

schwankungsarmer Aktienfonds

Doch nicht immer werden die Erwartungen, die nun mal ausschließlich auf der Beurteilung des Konzeptes und der Vergangenheitsleistungen eines Fonds gründen können, erfüllt werden - Grund genug, ordentlich über Fondsmanager und Konzepte zu streuen. Und sollte 2013 tatsächlich ein tolles Jahr für Aktien werden (warum eigentlich?), dann ist es besser, wenn ein vermögensverwaltendes Depot bspw. 9% (statt erwarteter 6%) erwirtschaftet als wenn ein Portfolio aus Aktienfonds 25% einspielt, die bei der nächsten Korrektur oder Baisse ganz schnell wieder verspielt sind.

Lassen Sie sich also nicht auf die von anderen vorgegebenen Betrachtungszeiträume ein. Anleger mögen leicht darauf hereinfallen. Aber erst Augenmaß für die Wünsche und Ängste der Anleger qualifiziert den Berater und macht ihn für den Anleger unersetzlich.