WGF-Pleite: Anleger bleiben erst mal auf ihren Anleihen sitzen

Hypothekenanleihen mit bis zu 6,35% Grundverzinsung plus eine jährliche Anpassung der Zinsen proportional zur prozentualen Veränderung des deutschen Verbraucherpreisindex sowie Genussscheine mit bis zu 8% Zinsen - ein Gesamt-Emissionsvolumen von 630 Millionen Euro - 50 Millionen davon bereits getilgt. Und nun ein Bilanzverlust von 71,3 Millionen Euro für 2011.

Nach der mit mehrmonatiger Verspätung vorgelegten Bilanz blieb nun nur der Gang zum Insolvenzrichter. Das auf der WGF-Homepage genannte Emissionsvolumen entspricht aber offensichtlich nicht dem tatsächlich gezeichneten Anleihevolumen. Nach Auskunft der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger hätten Privatanleger "nur" Anleihen im Nennwert von knapp 200 Millionen Euro im Besitz. Die für heute anstehende Tilgung für eine vor zwei Jahren aufgelegte Kurzläufer-Anleihe (Emissionsvolumen 100 Millionen Euro - vermutetes Platzierungsvolumen 43 Millionen Euro) ist erst mal abgesagt. Anleger, die für ihr Geld 4,875% Zinsen erhalten haben, bangen nun um die Rückzahlung des Kapitals.

Dieser Fall belegt einmal mehr, wie unsinnig es ist, wenn Privatanleger unmittelbar in Anleihen investieren. Gerade im Bereich von Mittelstandsanleihen, Hypothekenanleihen oder Genussrechten können die Risiken überhaupt nicht eingeschätzt werden. Derartige Papiere gehören professionell gemanagt und für Anleger im Rahmen von Fonds breit gestreut. Fondsmanager können Geschäftsmodelle und deren Risiken deutlich besser beurteilen und im Fall der Fehleinschätzung im Einzelfall über die breite Streuung und die insgesamt deutlich höhere Rendite das Ausfallrisiko abfedern oder gar kompensieren.