Gold-Crash: Ging das mit rechten Dingen zu?

Es war schon auffällig, dass innerhalb kürzester Zeit einige große Investmentbanken sowie bekannte Investoren wie Jim Rogers oder George Soros die Aussichten für die Goldpreisentwicklung ganz anders einschätzten als noch vor gar nicht allzu langer Zeit, als künftige Goldpreisschätzungen von 2.000 oder 3.000 US Dollar eher die Regel als die Ausnahme waren.

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um einschätzen zu können, dass ein weiter steigender Goldpreis natürlich auch als ein Indiz für eine schwächelnde US-Währung gewertet werden könnte. Das gilt es zu vermeiden. Und wer an einem langfristig trotzdem steigenden Goldpreis profitieren will, der ist über eine günstigere Einstiegsmöglichkeit vielleicht gar nicht so unglücklich. Beachtenswert ist aber nicht nur die Tatsache, dass der Goldpreis gefallen ist sondern vielmehr, wie der Goldpreis so plötzlich in die Knie gezwungen wurde. Es waren nämlich nicht die Anleger, die sich in Panik von ihren Gold-Investments trennten. Sie verkauften am Freitag letzter sowie am Montag und Dienstag dieser Woche insgesamt nur Indexfonds (ETCs) mit einem Gesamtvolumen von rund 30 Tonnen. Auch die Nachricht, dass Zypern sich von einem Teil seiner Goldbestände trennen müsse (Gesamtbestand rund 400 Tonnen) hätte den Goldpreis nicht dermaßen auf Talfahrt schicken können. Vielmehr waren es rund 750.000 Futureskontrakte im Gegenwert von rund 2.300 Tonnen Gold, die gar nicht existieren (so genanntes "Papier-Gold"). Eine derartige Leerverkaufsaktion hat es in diesem Ausmaß noch nie gegeben (das Ordervolumen lag um 45% über dem bisherigen Rekord).

Dr. Paul Craig Roberts, ehemaliger US Treasury-Offizieller, nimmt diesbezüglich kein Blatt vor den Mund. In einem  Interview mit King World News-Blog am vergangenen Freitag sagte er wörtlich: "They are trying to destroy gold as a (safe) haven from the dollar in order to carry on the Fed’s policy of negative real interest rates.  That is what is driving the illegal policy of selling naked shorts in order to manipulate a market.  If you and I were to do something like this without the government’s instruction or protection, we would be arrested (laughter ensues).  So the fact that it’s illegal, being done by the authorities, tells me that they are seriously worried about the dollar.” (Gold als sicherer Hafen soll verunglimpft werden, damit die Fed die Politik der negativen Realzinsen fortführen kann. Er stuft die Aktionen grundsätzlich als illegal ein. Sie könnten nur mit Billigung - oder gar instruiert - von oberster Stelle erfolgen).

Offensichtlich lassen sich aber die Anleger kaum beeindrucken. Teilweise nutzen sie die Verbilligung des gelben Metalls tendenziell eher zu Nachkäufen. Eine Empfehlung unsererseits - mehrfach wurden wir danach gefragt - können wir natürlich nicht abgeben, denn unter den gegebenen Umständen dürfte es noch schwieriger als im Normalfall sein, kurzfristige zukünftige Entwicklungen zu prognostizieren.

Deshalb können wir nur empfehlen, was wir grundsätzlich empfehlen: Wenn ein Anleger jetzt die günstigeren Einstiegspreise nutzen möchte, so sollte er sich intensiv Gedanken machen, wo seine Schmerzgrenze ist. Der APM Gold & Ressources  (A0M6AK) könnte da vielleicht im einen oder anderen Fall hilfreich sein. Bereits in der Folge der Lehmann-Krise hatte Fondsmanager Andreas Böger es geschafft, den Drawdown des damals sehr beliebten BGF World Gold (A0MBAL) nahezu zu dritteln. Die nebenstehende Grafik zeigt, dass Andreas Böger es jüngst einmal mehr geschafft hat, sich rechtzeitig vor einem Crash über Futures abzusichern, so dass der Fondspreis - völlig gegen den Trend - seit vergangenem Freitag sogar um fast 3% zulegen konnte, während der Blackrock-Fonds jüngst um mehr als 10% nachgegeben hat.

Häufig werden wir natürlich gerade in den jüngsten Tagen auch gefragt, ob man nun den "M&W Privat" (A0LEXD) nicht doch verkaufen solle. Die Frage verwundert uns immer wieder, denn dass der Fonds von Mack & Weise derart Federn lassen musste, liegt ja eindeutig nicht an einer auf einmal anders einzuschätzenden Qualität des Fondsmanagements. Niemals hat man gerade bei Mack & Weise Zweifel aufkommen lassen, dass man angesichts der weltweiten Schuldenauftürmung der Industriestaaten mit einem starken Akzent (derzeit ca. 38% unmittelbar - oder physisch hinterlegt - in Edelmetallen und schätzungsweise 15% in Minenaktien) auf Gold- und Silber investiert. Wer sich entschieden hat, dass dies ein guter Beitrag zur Depotdiversifikation ist, der sollte doch eigentlich nach einem Kursrutsch grundsätzlich nicht auf einmal völlig anderer Meinung sein. Stets sollte man sich deshalb vorher überlegen, welche Risiken man zu tragen bereit ist. Aber nun ist es müßig, denn der (vorläufige) Verlust ist nicht größer oder kleiner dadurch, dass ich nun verkaufe oder nicht. Aber wahrscheinlich wird es wieder kommen, wie es kommen muss: Während Prtivatanleger sich nun vielleicht doch nach und nach auf die Verkäuferseite begeben, werden die, die in den letzten Wochen vor einem Kursrutsch des Goldes gewarnt haben, wohl erneut die ersten sein, die zu gegebener Zeit wieder investieren. Privatanleger sind offensichtlich dazu geboren, auf der Strecke zu bleiben.

Fazit: Es wird hoffentlich immer klarer, wie wichtig es ist, sich vorher Gedanken über die eigene Risikotragfähigkeit zu machen. Dabei kommt es - so unsinnig dies auch sein mag - offensichtlich darauf an, dass jedes einzelne Investment gut läuft, da es ansonsten aussortiert wird.