Marktbericht für das 4. Quartal 2018

Nachdem sich die Wallstreet lange von Sorgen un­beeindruckt gezeigt und zu Beginn des vierten Quartals noch neue Rekordstände erreicht hatte, gerieten in den letzten drei Monaten des Jahres 2018 auch US-Aktien massiv unter Druck. Ange­sichts des ungelösten amerikanisch-chinesischen Handelsstreits, eines drohenden ungeregelten „Bre­xits“ und zunehmender Anzeichen einer Kon­junkturabkühlung erlebten die Aktienmärkte das schlechteste Quartal seit der Finanzkrise vor zehn Jahren.

Zinsen, Renten, Währungen und Rohstoffe

Die amerikanische Notenbank „Fed“ hob wie mehr­heitlich erwartet ihre Leitzinsen im Dezember wie­der um einen Viertel Prozentpunkt (also um 25 „Basispunkte“) an, das vierte Mal in diesem Jahr und somit das neunte Mal seit den Zinssenkungen infolge der Finanzkrise vor zehn Jahren. Das Ziel­band der sogenannten „Fed Funds Rate“ wurde damit auf 2,25 bis 2,50 Prozent erhöht. Für 2019 stellte die Fed zwei weitere Leitzinserhöhungen und fortgesetzte Anleiheverkäufe in Aussicht. Der Kapitalmarkt hatte sich weniger Tempo bei der Ver­schärfung der Geldpolitik gewünscht und reagierte mit Kursverlusten. Unterdessen unternahm die Eu­ropäische Zentralbank (EZB) erste Schritte zu ei­ner Normalisierung ihrer Zinsen: Für das vierte Quartal halbierte sie das Volumen ihrer monatli­chen Anleihestützungskäufe auf 15 Milliarden Euro. Zum Jahreswechsel stellte sie ihre Anleihe­käufe dann weitgehend ein.

Nach einem uneinheitlichen Auftakt im Oktober verzeichneten die größten Anleihemärkte im vier­ten Quartal fallende Renditen und damit steigende Kurse. Haupttreiber der fallenden Anleihezinsen waren zunehmende Anzeichen dafür, dass sich die Weltkonjunktur 2019 abkühlt. So fiel die Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit von über 3 auf 2,7 Prozent und näherte sich damit den kurzfristigen Zinsen an. Die so entstandene sogenannte „flache Zinsstruktur“ gilt als Warnsi­gnal für die Konjunktur. Auch die Rendite deut­scher Bundesanleihen sank deutlich, bei zehn Jah­ren Laufzeit von 0,53 auf 0,19 Prozent. Die Absicht der populistischen Regierung Italiens, die ohnehin hohen Staatsschulden stärker als nach EU-Regeln erlaubt zu erhöhen, führte bis Oktober zu hohen Kursverlusten bei italienischen Staatsanleihen. De­ren Rendite erreichte bei zehn Jahren Laufzeit in der Spitze fast 3,7 Prozent. Im Dezember erholten sich die Anleihekurse aber, als sich ein Kompro­miss mit der EU abzeichnete. Die Rendite fiel wie­der auf knapp unter 2,8 Prozent und damit auf das Niveau von September. Vor dem Amtsantritt der neuen Regierung im Mai hatte Italien nur rund 2 Prozent Zinsen auf seine Staatsanleihen zahlen müssen.

Bei den wichtigsten Währungen brachte das Ab­schlussquartal 2018 wenig Veränderungen. Im Ok­tober zeigte sich der Euro angesichts der Proble­me der EU zwar etwas schwächer, im November und Dezember pendelte die europäische Gemein­schaftswährung dann aber in einer recht engen Bandbreite gegen US-Dollar und japanischen Yen seitwärts. Die japanische Währung profitierte von der vergleichsweise guten Wirtschaftsentwicklung. Gegen US-Dollar verlor der Euro letztendlich im Berichtszeitraum nur 1,2 Prozent auf 1,147 USD/EUR, aber gegen Yen 4,6 Prozent auf 126 JPY/EUR. Im Verhältnis von Yen zu Dollar bedeu­tet dies eine Aufwertung der japanischen Währung um 3,5 Prozent auf 113,7 JPY/USD. Nach teilweise hohen Währungsverlusten der Schwellenländer im dritten Quartal stabilisierten sich in den letzten drei Monaten des Jahres die Wechselkurse der Emer­ging Markets, darunter die türkische Lira. Der bra­silianische Real profitierte im Oktober vom Wahl­ausgang in der größten Volkswirtschaft Südameri­kas. 

Weiter abwärts ging es allerdings auch im vierten Quartal mit den meisten Kryptowährungen: Nach­dem sich die Wechselkurse mehrere Wochen sta­bilisiert hatten, brachen sie im November um zwei­stellige Prozentsätze ein. Der Gesamtwert aller rund 2.000 Kryptowährungen verringerte sich bin­nen zweier Wochen um fast 100 Milliarden auf ca. 120 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor, zu Zeiten des Krypto-Booms, hatte der Gegenwert aller, damals rund 1.000 Digitalwährungen zusammen ca. 830 Milliarden US-Dollar betragen. Die schon in den Vormonaten sehr schwache Kunstwährung Ethere­um verlor weiter massiv an Wert, so dass die ver­gleichsweise stabile Kryptowährung Ripple ge­messen am Gesamtwert zur zweitgrößten Digital­währung nach dem Bitcoin aufstieg. Anlass für die Verkaufswelle der Digitalwährungen lieferte unter anderem der Streit über die neuerliche Aufspaltung der Kryptowährung „Bitcoin Cash“, die ihrerseits durch eine Abspaltung vom klassischen Bitcoin entstanden war. Dessen Wechselkurs halbierte sich im vierten Quartal auf rund 3.300 US-Dollar.

An den Rohstoffmärkten überwogen im vierten Quartal angesichts schlechterer Konjunkturaus­sichten fallende Preise. Eine Ausnahme bildeten die Edelmetalle, die als „Krisenwährung“ von den politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten profitierten. So verteuerte sich die Feinunze Gold um 7,6 Prozent auf 1.283 Dollar und Silber um 5,8 Prozent auf 15,50 Dollar. Palladium setzte seinen im August begonnenen steilen Anstieg fort und reichte mit einem Plus von 17,9 Prozent auf 1.267 Dollar fast an den Goldpreis heran. Platin fiel da­gegen nach einer Rallye im Oktober im November wieder zurück, so dass das Quartal sogar mit ei­nem Rückgang um 2,4 Prozent auf knapp 800 Dol­lar pro Unze beendet wurde. Bei den Industrieme­tallen überwogen fallende Kurse. Der Ölpreis brach deutlich, nämlich um gut ein Drittel ein. Ein Barrel der europäischen Rohölsorte Brent verbillig­te sich auf rund 46 Dollar, ein Barrel der US-ameri­kanischen Sorte WTI auf rund 54 Dollar. Unter dem Strich verzeichneten Rohstoffpreisindizes deshalb Quartalsverluste, so der Dow Jones Com­modity Index in Höhe von 8,4 Prozent und der RICI sogar von 12,1 Prozent.

 

Aktienmärkte

Zum Auftakt des Quartals markierten US-Standard­aktien noch ein neues Rekordhoch – vor allem getragen von den sogenannten FAANG-Akti­en Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google (Alphabet), die aufgrund ihres hohen Börsenwertes auch hohes Gewicht in den Aktienindizes erhalten hatten. Doch dann löste die Angst vor steigenden Zinsen zunächst Gewinnmitnahmen aus, insbe­sondere bei den zuvor lange und weit gestiegenen Technologieaktien. Schon im Laufe des Oktobers weiteten sich die Kursverluste an den Aktienmärk­ten zum größten Rückgang seit Anfang Februar aus. Die Bekanntgabe der überwiegend noch guten Geschäftsergebnisse des dritten Quar­tals konnten die Ängste vor den Auswirkungen der US-Strafzollpolitik und steigenden Zinsen nicht ver­treiben. Von politischer Seite kamen die Aufkün­digung des INF-Atomwaffen-Abrüstungsvertrags durch US-Präsident Trump und die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi durch das saudi­sche Salman-Regime als Belastungsfaktoren hin­zu. In Europa drückten zudem der Streit um den italienischen Staatshaushalt und die Gefahr eines „harten Brexit“ auf die Stimmung. Die politische Schwächung von Präsident Trump bei den Mid­term-Wahlen zum US-Kongress wurde von den Ak­tienmärkten kurzzeitig eher positiv aufgenommen. Auswirkungen auf Trumps Handelspolitik blieben allerdings offen. Nach nur zwei Wochen mit stabili­sierten Aktienkursen überwogen dann wieder die Kursverluste. Wiederauflebende Sorgen um den amerikanisch-chinesischen Handelsstreit, den US-Immobilienmarkt und der fallende Ölpreis belaste­ten die Wallstreet. Aussagen des US-Notenbank­chefs Jerome Powell, die als Signal für weniger Leitzinserhöhungen im kommenden Jahr verstan­den wurden, sorgten vorübergehend für zwischen­zeitliche Kursgewinne an der Wallstreet. Auch auf die Verschiebung zusätzlicher Strafzölle im ameri­kanisch-chinesischen Handelsstreit reagierten die Börsen erleichtert. Allerdings kehrten die Sorgen rasch zurück, als auf Betreiben der USA hin in Ka­nada die Finanzchefin des chinesischen Huawei-Konzerns festgenommen wurde. Die USA werfen Huawei Verstöße gegen ihre Iran-Sanktionen vor.

Im Laufe des Quartals mehrten sich zudem die An­zeichen dafür, dass sich die Weltwirtschaft 2019 spürbar abkühlen dürfte. Als die US-Notenbank im Dezember wie erwartet ihren Leitzins erhöhte, re­agierte die Wallstreet enttäuscht auf den Ausblick der Notenbank. Kurz vor dem Jahresende drückte dann auch noch der Regierungsstillstand in den USA auf die Stimmung der Anleger. Der Kompro­miss zur Abwendung eines EU-Defizit-Strafverfah­rens gegen Italien wirkte dagegen nur wenig über die italienische Börse hinaus positiv. Der Dow Jo­nes verlor im vierten Quartal 11,8 Prozent auf 23.327 Punkte, der S&P-500 sogar 14,0 Prozent auf 2.507 Zähler. Nebenwerte und Technologie-Ak­tien traf es noch härter: Der Nasdaq-100-Index verlor 17,0 Prozent, der Nasdaq-Internet-Bran­chenindex 18,4 Prozent und der US-Nebenwert­eindex Russell-2000 sogar 20,5 Prozent.

Die Aktienmärkte außerhalb der USA konnten sich den schlechten Vorgaben nicht entziehen. Mit ei­nem Rückgang des Euro-STOXX-50 um 11,7 Pro­zent auf 3.001 endete das vierte Quartal für euro­päische Aktien kaum besser. Noch höher waren die Verluste bei einigen nationalen Aktienindizes wie dem deutschen DAX (-13,8 Prozent auf 10.559), dem französischen CAC-40 (-13,9 Pro­zent) und dem österreichischen ATX (-17,9 Pro­zent). Relative Stärke zeigte weiterhin der SMI für schweizerische Anteilsscheine in Zürich mit einem Rückgang um nur 7,2 Prozent. In Deutschland ent­wickelten sich Nebenwerte nun schlechter als die großen Standardwerte. So verzeichnete der MDAX einen Quartalsrückgang um 17,0 Prozent und der SDAX sogar von 19,8 Prozent.

Auch die Aktienmärkte in Asien litten unter der Sor­ge eines zunehmend gestörten Welthandels und einer Konjunkturschwäche. Der japanische Nikkei-225-Index beendete das vierte Quartal mit einem Rückgang um 17,0 Prozent bei 20.015 Zählern.
Die chinesischen Börsen, die schon zuvor unter dem Handelskonflikt mit den USA gelitten hatten, verloren im vierten Quartal zwischen 6,6 Prozent (Shanghai B Index) und 10,8 Prozent (MSCI Chi­na). Auch andere sogenannte „Emerging Markets“ blieben unter Druck. Insgesamt verlor der MSCI Asien im Berichtszeitraum 9,6 Prozent. Nur einige wenige asiatische Aktienmärkte konnten ihr Kursni­veau im vierten Quartal halten, darunter die Bör­sen in Manila, Philippinen (+2,6 Prozent), und in Jakarta, Indonesien (+3,6 Prozent).

Wirklich gegen den internationalen Trend konnte im Berichtszeitraum nur die Börse Sao Paulo in Brasilien größere Kursgewinne verzeichnen. Die Wahl des Populisten Jair Bolsonaro zum Präsiden­ten wurde als Bestätigung der wirtschaftsfreundli­chen Politik gewertet. Der brasilianische Bovespa-Index stieg unter dem Strich um 10,5 Prozent. 

Die Aktienkurse von Goldminen-Betreibern profi­tierten vom Anstieg des Goldpreises. Der FT Gold Mines Index verzeichnete im vierten Quartal einen Gewinn von 16,8 Prozent.