Schnelle Arbeit: Blaupause mündet in Gesetzesentwurf

Gute Chancen für die Wahl des Unworts des Jahres in der Finanzindustrie dürfte das Wort "Blaupause" haben. Das Copyright dafür hatte ursprünglich Eurogruppen-Chef Jeroeme Dijsselbloem, dessen Vorstoß, die Bankenrettung Zyperns durch Beteiligung aller vermögenden Kunden (= Anleger mit mehr als 100.000 Euro an Sichteinlagen) als Blaupause für künftige Fälle heranzuziehen, zunächst auf heftige Kritik von allen Seiten stieß.

Doch erst als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in einem Gespräch mit der "WirtschaftsWoche" erklärte, dass die Beteiligung von Eigentümern, nachrangigen Anleihegläubigern und dann ungesicherten Anlegern der Normalfall sein muss, wenn ein Finanzinstitut in eine Schieflage gerät (vgl. Blog vom 25.04.2013), war der Tabubruch Dijsselbloems zur Basis für weitere Gespräche geworden. Gestern Abend wurde vom Europa-Parlament mit großer Mehrheit ein Gesetzesentwurf verabschiedet, der ab 2016 nur noch Anleger mit Einlagen bis zu 100.000 Euro schützt. Sicher wird dieser Gesetzesentwurf noch heftig diskutiert werden, doch die Marschrichtung scheint damit vorgegeben. Wenn das Geld der Aktionäre und dann das der Anleihegläubiger einer Bank nicht mehr ausreichen, so wird künftig wohl nicht mehr die Euro-Gemeinschaft zur Kasse gebeten sondern zunächst einmal die Sparer. Wir wiederholen uns: Wer Wertpapiere - also bspw. Fondsanteile - im Depot einer maroden Bank verwahren lässt, ist hiervon nach bisherigem Stand der Vorschläge nach wie vor nicht betroffen, weil Depotguthaben Sondervermögen sind, die letztendlich auch in der Bankbilanz keinerlei Berücksichtigung finden. Spar-, Tages- und Termingeldkonten sind damit für größere Beträge vollkommen out. Bis 2016 sollte jeder Anleger die Weichen für seine Vermögensanlagen entsprechend stellen. Dies gilt vor allem auch für institutionelle Anleger wie Stiftungen, Versorgungswerke etc. Die "Blaupause Zypern" hat gezeigt, dass selbst gemeinnützige Einrichtungen oberhalb der 100.000-Euro-Grenze rigoros geschröpft wurden.