Abwicklung offener Immobilienfonds im Verzug

Wir können uns nur wundern, wenn wir die Mittelzuflüsse der verbliebenen (offenen) offenen Immobilienfonds sehen. Wir können uns beim besten Willen nicht vorstellen, dass hier jeweils Risikobelehrungen erfolgt sind, mit denen darauf hingewiesen wird, dass die Mehrzahl der offenen Immobilienfonds derzeit aufgelöst wird und welche Konsequenzen dies für den Immobilienmarkt hat. Bislang haben wir doch auch regelmäßig meist vernommen, dass Immobilien aus dem Bestand der aufzulösenden offenen Immobilienfonds zum Buchwert oder gar darüber verkauft werden konnten. Aber zu Recht weist Scope aktuell darauf hin, dass die Abwicklung der Fondsauflösungen sehr schleppend verläuft. Der "Degi Europa" und der "Morgan Stanley P2 Value" haben bislang nur rund ein Drittel des Fondsvermögens an die Anleger ausgeschüttet. Allerdings sind nahezu zwei Drittel der für die Fondsauflösung zur Verfügung stehenden Zeit bereits verstrichen. Irgendwann muss um jeden Preis verkauft werden und die potentiellen Käufer wissen das. Der "TMW Immobilien Weltfonds" und der "AXA Immoselect" haben noch überhaupt nichts an die Anleger ausgeschüttet. Verkaufserlöse wurden hier benötigt, um Fremdfinanzierungen zurückzuführen. "SEB Immoselect" und "CS Euroreal" haben noch deutlich mehr Zeit zur Verfügung. Wenn jedoch die Preise aufgrund der anderen Fondsauflösungen unter Druck geraten, dann verbessert dies die Chancen der beiden Schwergewichte sicherlich nicht.

Wer möchte daran glauben, dass all dies die "Big Four" (Deutsche Bank, Commerzbank, Sparkassen und Volksbanken) völlig unbeeindruckt lassen kann. Welcher Gutachter wird auf Dauer die Bewertungen aufrecht erhalten können, wenn die Marktpreise zunehmend unter Druck geraten? Und welcher Richter wird es - wenn es denn so weit kommt - durchgehen lassen, dass Anleger aktuell investieren, ohne über die für unsere Begriffe eklatanten Risiken belehrt worden zu sein?

Unsere Empfehlung ist seit Jahren eindeutig: Keine offenen Immobilienfonds kaufen - und im Zweifelsfall auch nichts im Depot behalten, was man aktuell unter keinen Umständen kaufen würde.