Wenn gefragt wird, ob es eine Blase ist ...

... dann ist es bereits eine Blase. Rückblickend war es bislang eigentlich immer so, dass man sich von besonders gut gelaufenen Märkten fernhalten sollte, wenn im Markt darüber diskutiert wird, ob es sich schon um eine "Bubble" handelt oder (noch) nicht. Rentenfonds sind einerseits gut gelaufen, weil die weiter sinkenden Zinsen eben Kursgewinne bescherten.

Man darf aber nicht verkennen, dass Kurse (und damit das Zinsniveau) auch in den Anleihemärkten zunächst einmal durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Auch wenn wir immer wieder hören, dass die Zinsen künstlich niedrig gehalten werden, so ist dies nur ein Teil der Wahrheit, denn wenn die Anleger nicht mitspielen, dann lassen sich Zinsen nicht künstlich niedrig halten. Aber die Anleger spielen prima mit. Sie kaufen Bundesanleihen mit Null-Rendite und leihen auch Italien - der Comeback-Ankündigung Berlusconis zum Trotz - wieder günstig Geld. 1,9-fach überzeichnet war gestern die Emission einjähriger Italienanleihen. 6,5 Milliarden Euro wurden letztendlich gezeichnet. Italien - immerhin einer der so genannten PIIGS-Staaten - zahlt Anlegern dafür gerade mal 1,456% Zinsen.

Dies ist einzig und allein der Anlegernachfrage geschuldet und die BVI-Statistik, die wir gerade erst zeitversetzt für den Monat Oktober erhalten, belegt dies. Nettomittelzuflüsse gab es für Rentenfonds und - man lese und staune - auch weiterhin für offene Immobilienfonds. Und dies zu Lasten der anderen Fondssparten - auch zu Lasten von Mischfonds, natürlich nur insoweit diese auch in der BVI-Statistik Berücksichtigung finden (Mittelzuflüsse etwa bei Flossbach von Storch oder Ethna gehen in die BVI-Statistik nicht ein). Unsere gar nicht mutige Prognose: Diese Oktober-Investitionen werden den Anlegern keine große Freude bereiten.

4,1 Milliarden Euro, die alleine von deutschen Anlegern in einem einzigen Monat investiert werden, müssen irgendwo investiert werden. Seit Jahresbeginn addieren sich die Nettomittelzuflüsse für Rentenfonds für die ersten 10 Monate auf 24,1 Milliarden Euro. Sie helfen, das Zinsniveau niedrig zu halten. Die Rendite ist mit den meisten Rentenanlagen längst gemacht. Was bleibt, ist die bange Frage, ob und wie denn die Anleihen zurückgezahlt werden. 1,456% Zinsen (also ein Zinsertrag unterhalb der uns offiziell mitgeteilten Inflationsrate)  wären uns als Risikoprämie für einen Schuldner wie Italien nicht ansatzweise genug. Aber auch im November und im Dezember - so hört man - dominierten Anlagen in Rentenfonds. Vollkommen verpasst haben die Anleger hingegen, dass der MSCI World seit Jahresbeginn um knapp 13% gestiegen ist. Der DAX bringt es seit Jahresbeginn sogar auf ein Plus von knapp 29%. Damit wollen wir bestimmt nicht zur Investition in Aktienfonds aufrufen. Mischfonds aber, die aktuell historische Höchststände markieren, haben jedoch in der Relation von Ertrag zu Risiko die Märkte besser nutzen können als Anleger, die aufgrund gemachter Rendite in Rentenfonds - und damit eher in Risiko als Chance - investieren. Denn wenn gefragt wird, ob es eine Blase ist ...